Blog Augsburg - Augsburg und Augsburger im Blog





Bloggernetz - der deutschsprachige Pingdienst
Bloggeramt.de
Blogverzeichnis - Blog Verzeichnis bloggerei.de
Blogs
Blogverzeichnis

Offener Brief an OB Gribl

Weil ich zu dem Vorgang in unserer seriösen und überparteilichen Heimatzeitung von Augsburg nichts lesen konnte, will ich ihn hier im Blog Augsburg bringen. Die Bürgerinnen und Bürger von Augsburg haben meiner Meinung nach ein Recht, von diesem Vorgang zu erfahren, der die Stadtratsfraktion der Grünen beschäftigt. Es geht um den Gradmesser für den Oberbürgermeister Dr. Kurt Gribl, der sich in der Neuen Sonntagspresse findet. An dem Gradmesser vom 9. Mai 2010 entzündete sich die Reaktion der Augsburger Grünen.


Zu diesem Text schrieben die Grünen von Mutius und Moravcik folgenden Offenen Brief:

Bitte nicht mit fremden Federn schmücken

Sehr geehrter Herr Dr. Gribl,

mit großem Erstaunen haben wir zur Kenntnis genommen, dass Sie via Neuer Sonntagspresse bekannt gegeben haben, dass Sie den Punkt aus Ihrem 100-Punkte-Programm »Aktionen gegen illegales Graffiti« erledigt hätten.

Dies hat uns zum einen erstaunt, weil das Konzept für ein Graffitiprojekt, das der Kulturausschuss diskutiert hat, von unserer Fraktion erarbeitet und eingebracht wurde. Weder Sie noch die CSU-Fraktion waren daran aktiv beteiligt. Es zeugt nicht von Souveränität und Überparteilichkeit eines Oberbürgermeisters, dass Sie den Erfolg für sich reklamieren ohne zu erwähnen, dass das Konzept auf einen Antrag der Grünen zurückgeht. Interessant ist, dass Sie ein Projekt verkünden lassen, das im Kulturausschuss noch gar nicht verabschiedet wurde, sondern auch mit den Stimmen Ihrer Fraktion auf die nächste Sitzung verwiesen wurde.

Zum anderen ist auch die Zielrichtung unseres Antrags eine andere. Im Antrag, der dem Kulturausschuss vorgelegt wurde, geht es im Kern um die positive Würdigung der Kunstform Graffiti, der mehr legale Möglichkeiten eingeräumt werden sollen. Bei diesem Ansatz ist es nur ein Nebeneffekt, dass illegales Graffiti weniger werden soll.

Wir äußern mit diesem Brief die Erwartung, dass Sie in Zukunft auch die Verdienste anderer Fraktionen benennen und nicht wie bisher nach dem Prinzip verfahren: Erfolge gehen ohne Würdigung anderer Beteiligter auf Ihr Konto, Misserfolge oder Schwierigkeiten werden der politischen Konkurrenz zugeschrieben. So sieht kein fairer Umgang aus.

Mit freundlichen Grüßen

Verena von Mutius und Christian Moravcik

Anlage 2: Der Antrag der Grünen Fraktion

08.10.2009

Unterstützung für Graffitikünstler/-innen

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,

in der Stadt Augsburg bestehen zur Zeit nur wenige Möglichkeiten für Graffiti-künstlerInnen legal ihrem Hobby nach zu gehen. Illegale Graffiti sind ein Ärgernis für viele BürgerInnen und durch das wilde Sprayen entstehen beachtliche Schäden an privaten und öffentlichen Gebäuden und Einrichtungen. Um diesen Sachbeschädigungen entgegen zu wirken und den KünstlerInnen eine adäquate Alternative zu Illegalität zu bieten, stellt die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen

folgenden Antrag:

Die Verwaltung wird beauftragt:

1. Weitere Flächen im Stadtgebiet Augsburg für legales Graffiti, nach dem Vorbild des Projektes »Wiener Wand" freizugeben.

2. Diese Flächen und deren Grenzen durch ein einheitliches Symbol auszuweisen.

3. EineN festen AnsprechpartnerIn für die Freigabe von weiteren Graffitiflächen in der Verwaltung zu benennen.

4. Informationsmaterial und eine Internetpräsenz über die Lage von legalen Graffitiflächen im Stadtgebiet, sowie zur Bekanntgabe von Nutzungsregeln zu erstellen.

Des Weiteren soll geprüft werden:

5. In wie weit die Aufgabe der Betreuung der Flächen der Vereinigung »Die Bunten" übertragen werden kann.

6. In wie weit die Vereinigung »Die Bunten" damit beauftragt werden kann, weitere mögliche Flächen zu suchen und diese in Zusammenarbeit mit der Verwaltung für legales Graffiti freizugeben und auszuweisen.

Begründung:

Graffiti werden in der Bevölkerung oft als Schmierereien wahrgenommen. Durch Graffiti an privaten Gebäuden entstanden laut Polizeipräsidium Schwaben Nord im Stadtgebiet Augsburg in den Jahren 2006 100.000€, 2007 175.000€ Schaden. Graffiti ist ein Teil der urbanen Jugendkultur und kann nicht mit Verboten oder der Androhung von Strafen verhindert werden. Vielmehr muss eine moderne Stadt die Elemente der Jugendkultur aufnehmen und hierfür Freiräume schaffen. Die Stadt Wien hat dies mit dem Projekt »Wiener Wand" gemacht, dessen Beispiel Augsburg folgen sollte. Durch das Auszeichnen von legalen Graffitiflächen gingen die Sachbeschädigungen an privaten Gebäuden spürbar zurück. Zudem fühlen sich die SprayerInnen mit ihrer Kunst ernst genommen und begreifen sich als Teil der Stadtgemeinschaft.

Viele JugendsozialarbeiterInnen und LehrerInnen führen mit ihren Klassen Graffitiworkshops durch. Eine geeignete Fläche zu finden fällt jedoch schwer und es ist erst die Genehmigung einzuholen, diese Fläche besprühen zu dürfen. Diese Verwaltungsgänge erübrigen sich durch die gekennzeichneten legalen Flächen. Die ehrenamtliche Jugendarbeit, die Arbeit der Jugendhilfe und der LehrerInnen wird dadurch gestärkt und vereinfacht.

Durch die Betreuung der Flächen durch die Vereinigung »Die Bunten" werden die Verwaltungskosten minimiert und das gesellschaftliche Engagement der jungen Bürgerinnen und Bürger gestärkt. Zudem erwarten wir durch die Mitverwaltung der Graffitiszene durch »Die Bunten" die ver-stärkte Einhaltung der Nutzungsregeln. Das Projekt soll in der Anfangszeit verstärkt durch Workshops an Schulen, in der Jugendarbeit und bei Jugendkulturfestivals wie dem »Modular" begleitet werden. Des Weiteren verweisen wir auf den angehängten Projektbericht »Wiener Wand", sowie die Projektseite der Stadt Wien: www.wienerwand.at

Mit freundlichen Grüßen

Christian Moravcik, Verena von Mutius, Reiner Erben, Eva Leipprand, Martina Wild, Dieter Ferdinand

Matthias Stöbener 18.05.2010, 09.11 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Politik | Tags: Offener Brief, Gribl, Graffiti,

Man muss sich nur den richtigen Namen einfallen lassen

"City - grün und blühend" heißt die Aktion. Dahinter steht der geniale Gedanke, dass der Einzelhandel und die Gastronomie für Kübelpflanzen in der Innenstadt Patenschaften übernehmen sollen, sprich: der klammen Stadt finanziell unter die Arme greifen sollen, um mit Pflanzgefäßen die Aufenthaltsqualität in der Innenstadt zu steigern und raumgestaltende Akzente im Stadtbild zu setzen, wie es in der Pressemitteilung der Stadt zu der Aktion verlautet.

Wäre ich Einzelhändler oder Gastronom in Augsburg, würde ich kein Geld für die Aktion locker machen. Warum sollte ich denn nicht nur Steuern bezahlen, die für Banken und die EU ausgegeben werden, sondern auch noch auf kommunaler Ebene Städten und Kommunen helfen, deren eigentlichen öffentlichen Aufgaben zu erledigen? Dass Städte und Gemeinden kein Geld mehr haben, ist Folge des Versagens unserer herrschenden Politiker und Parteien. Und bevor Einzelhändler und Gastronomen, überhaupt: wir Bürger auch noch privat in die Taschen greifen, um die Folgen neoliberaler Politik auszubügeln, sollten sie und wir erst einmal dafür sorgen, dass diese Politiker und Parteien ausgetauscht werden.

Die großen Firmen rufen ständig nach staatlicher Unterstützung und bekommen sie meist auch noch, wenn sie groß genug sind. Aber nicht genug damit: Jetzt können wir auch noch für die Schulden anderer Länder gerade stehen, auf die wir überhaupt keinen Einfluss haben. Und die Löcher, die dadurch in die öffentlichen Haushalte gerissen werden, soll die Mittelschicht durch höhere Beiträge, Abgaben und freiwillige Leistungen stopfen. Was hier blüht ist nicht die City, sondern die Phantasie unserer Politiker, die immer wieder Wege findet, uns Bürgern irgendwo Geld aus den Taschen zu ziehen. Diesmal wird es bei den Augsburger Einzelhändlern und Gastronomen versucht, die unter der jetzigen Wirtschaftskrise sowieso stöhnen. Ich bin gespannt, welche Bürgergruppe als nächstes mit einer ähnlichen städtischen Aktion kreativ angesprochen wird.

Matthias Stöbener 29.04.2010, 09.31 | (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: Soziales | Tags: City, Aktion, Einzelhändler, neoliberale Politik,

Eintritt frei

Morgen findet der "Lauschangriff", Augsburgs Poetry Slam, im Rahmen des Festivals MODULAR und damit ohne Eintrittsgebühr statt. Eine einmalige Gelegenheit mal an einem Slam teilzunehmen, wenn man diese Art des Lyrikvortrags noch nicht kennt. Also vormerken: Samstag 17. April 2010 ab 21 Uhr im Moritzsaal!

Neben Slammern aus Augsburg treten an:

* Harry Kienzler aus Tübingen
* Nils Rusche aus Bamberg
* Lucas Fassnacht
* Peh aus Berlin

Sie alle haben einen super Ruf in der Poetry-Szene. Aber das ist nicht alles: Bis zu 12 Slammer werden auftreten!

Matthias Stöbener 16.04.2010, 08.50 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Veranstaltungen | Tags: Slam, Poetry Slam,

Grundremmingen ist nicht weit

Würden Sie mit Ihrem Auto noch im Jahr 2050 über die Autobahn brausen wollen - mit einer Geschwindigkeit von 200 Stundenkilometern? Ich jedenfalls nicht. 2050 wird mein Auto ein Oldtimer sein. Genau wie die Atomkraftwerke, die unsere Bundesregierung dann noch laufen lassen möchte wie heute. Im gleichen Atemzug kürzt sie die Vergütung für Solarstrom. Uns Bürgern dient diese Politik von CSU, CDU und FDP wohl kaum. Dafür den monopolartig strukturierten Energiekonzernen. 

Das Wachstum der erneuerbaren Energien wird durch solche Entscheidungen stark gebremst. Was haben die CSU, CDU und die FDP gegen erneuerbare Energien? Wahrscheinlich gar nichts. Wahrscheinlich steht in ihren Programmen, dass sie alle die erneuerbaren Energien fördern wollen, um unsere Abhängigkeit etwa von russischem Gas zu mindern. In der Praxis aber fällen sie dann Entscheidungen, die langfristig denkende Bürger kaum mehr verstehen können - selbst bei gutem Willen. Denn es sind ja nicht nur die GRÜNEN, die erneuerbare Energien wollen. Es sind Bevölkerungsschichten, die auch weit in das Wählerspektrum der CSU, CDU und der FDP hineinreichen. Die meisten Bundesbürger haben erkannt, dass wir nicht nur aus umweltpolitischen Gründen, sondern auch aus ökonomischen immer stärker auf erneuerbare Energien setzen müssen. Auch CSU-, CDU- und FDP-Wähler wollen saubere, umweltfreundliche und auf Dauer bezahlbare Energie!

Wieso die Bundesregierung und die daran beteiligten Parteien den klaren Willen der breiten Bevölkerung jetzt so ignorieren, verstehe ich nicht. Wollen sie uns wirklich noch bis 2050 Atomkraftwerksoldtimern ausliefern? Grundremmingen ist nicht weit von Augsburg entfernt. Möchte ich wirklich noch 2050 in Augsburg leben, wenn das altersschwache Grundremmingen immer noch auf Hochtouren Strom und Konzerngewinne produziert? Bei diesem Gedanken wird mir wirklich mulmig.

Matthias Stöbener 02.04.2010, 13.12 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Ökologie | Tags: Atomkraft, Grundremmingen, Solarstrom,

Modellstadt Leverkusen

Leverkusen. Von dieser Stadt habe ich schon lange nichts mehr gehört. Und jetzt preisen Christine Kamm und Claudia Roth Leverkusen als Modellstadt! Für Bayern und für Augsburg. Warum das? Leverkusen ein Vorbild für den FCA? Weil Bayer Leverkusen in der 1. Bundesliga spielt? Oder für die chemische Industrie in Augsburg? Weil in Leverkusen die Bayer AG sitzt? Nein, Leverkusen soll im Gegensatz zu Augsburg und Bayern Asylbewerbern und Geduldeten ein menschenwürdiges Leben ermöglichen. Ja sind wir denn in Augsburg Unmenschen?

In Augsburg gibt es doch für Asylbewerber schöne Gemeinschaftsunterkünfte in stilvollen alten Kasernen! Dort brauchen sie nicht einmal Deutsch zu sprechen, sie sind unter sich und werden nicht mit den Sorgen des Alltags überfrachtet. Man stellt ihnen Essenspakete zur Verfügung. Und damit sie nicht in Deutschland unter die Räder kommen, beschützt man sie mit der Residenzpflicht.

Aber jetzt meinen Frau Kamm und Frau Roth, das sei alles nicht gut und fordern, "dass die Unterbringung und Verpflegung von Asylbewerbern in Bayern dringend geändert werden muss". Zwar habe man schon die Residenzpflicht gelockert, aber das gälte nicht für Geduldete. Es müsse den Menschen erlaubt werden, sich Arbeit zu suchen und selbst für den Lebensunterhalt aufzukommen.

Und dann kommt es knüppeldick in der Pressemitteilung der beiden grünen Frontfrauen: "Bayern leistet sich die teuerste und schlechteste Art der Verpflegung von Menschen, die in Gemeinschaftsunterkünften leben müssen. Essenspakete erfordern einen hohen Verwaltungs- und Arbeitsaufwand und entmündigen und beschränken die Bezieherinnen und Bezieher. Die Abschaffung der Essenspakete und die Einführung von Pauschalsätzen ist ein humanitärer und kostensparender Akt. Die Betroffenen sollten möglichst schnell dazu befähigt werden, ihr Leben selbst zu gestalten und zu finanzieren." Nur so ließen sich die Kosten für die Unterkünfte, für die Logistik von Essenspaketen und Kleidungslieferungen effizient reduzieren, wenn die Menschen sich selbst versorgen dürften und die Beträge, die ihnen nach Asylbewerberleistungsgesetz zustehen, auch wirklich erhalten würden. "Die Unterkünfte für Asylbewerber in Bayern sind oftmals in denkbar schlechtem Zustand. Viele Räumlichkeiten sind verschimmelt und die sanitären Anlagen mangelhaft, weil ehemalige Kasernen, Container und Holzbaracken als Unterkünfte verwendet werden. Flüchtlinge müssen das Recht erhalten, sich selbst Wohnungen zu suchen oder z. B. in kleinen Wohngemeinschaften zusammen zu leben. Die Unterbringung in Sammelunterkünften sollte, z. B. in Übergangsphasen, die Ausnahme und nicht die Regel darstellen, aber auch dann sollten diese Unterkünfte in normalen Wohnhäusern eingerichtet sein", meinen die beiden Politikerinnen.

Die Grünen glauben jedenfalls, dass sich Augsburg und Bayern an Leverkusen ein Beispiel nehmen könne. Dort bringt man Flüchtlinge in Privatwohnungen unter, gibt ihnen eine Versorgungspauschale (Bargeld) und sie können sich selber helfen. Angeblich zeigen die Erfahrungen aus Leverkusen, dass die Betroffenen mit dem Geld gut und selbstbestimmt wirtschaften können - und das System sei günstiger. Wenn ich darüber nachdenke, kommt mir der Vorschlag ganz vernünftig vor. Warum sollten Asylanten und Geduldete nicht mitten unter uns leben? Dann müssten sie Deutsch lernen, sie würden Bekanntschaften und Freundschaften knüpfen, würden mitbekommen, wie hier das normale Leben läuft und würden lernen, sich selbst zu helfen. Möglicherweise können die Menschen aus Afrika und anderen Weltgegenden mehr, als ihnen die CSU, die meiner Meinung nach noch viel zu sehr an alten Denkmustern festhängt, zutraut. Es käme auf einen Versuch an.

Matthias Stöbener 28.03.2010, 08.47 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Soziales | Tags: Asylanten, Geduldete, Modellstadt, Leverkusen,

Löbs letzter Streich?

Heute Abend um 20 Uhr feiert der Film "Der letzte Streich" im Thalia-Kino Augsburg seine Premiere. Angeblich ist es die erste Heimatkomödie aus dem Augsburger Land. 70 Minuten lang ist das Spiel geworden. Zackig geht es zu - mit Autounfall, Feuerausbruch, Beerdigung, 80. Geburtstag ... Es geht um den Studenten Hannes. Er kommt wegen des tragischen Unfalls seines besten Freundes in seine Heimat zurück. Kaum daheim, werden die alten Lausbubengeschichten und Streiche der beiden wieder lebendig. Heimreisen ist schwieriger als er gedacht hat.

Gedreht wurde der Film von SumoSam. Willibald Spatz, ein Allgäukrimiautor ("Alpendöner", "Alpenlust") hat das Drehbuch geschrieben. Gespielt wurde von Laiendarstellern aus Dinkelscherben. Auch Eberhard Peiker vom Augsburger Stadttheater spielt mit. Und Arno Löb. Löb spielt einen Pfarrer vom Land. Hoffentlich hat er keine kleinen Kinder missbraucht! Wer schauen will, ob sich der Besuch im Thalia heute Abend lohnt, der klickt hier zu einem Trailer des Films:

SumoSam.de

Ich bin sicher, das war nicht der letzte Streich von Arno Löb in Augsburg und Umgebung!

Matthias Stöbener 27.03.2010, 07.15 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Veranstaltungen | Tags: Streich, Arno Löb, Heimatfilm, Dinkelscherben,

Wider Behördenrefugien

Finanzreferent Hermann Weber (CSU) meint, in der Augsburger Stadtverwaltung nicht mehr sparen zu können. Das schreibt die Stadt in ihrer Pressemitteilung vom 25. März 2010. Die Verwaltung sei mittlerweile ausgepresst wie eine Zitrone. Die Grünen hatten nämlich zuvor gefordert, ein Gesamtkonzept vorzulegen, wie in der Verwaltung weiter gespart werden könne. Zusätzliche "Arbeitsverdichtungen" bei den Beschäftigten würden seines Erachtens unter Beibehaltung des bestehenden Aufgabenportfolios ausscheiden.

Ganz sicher scheint er sich in seiner Meinung aber nicht zu sein, denn in der besagten Pressemitteilung heißt es auch: "Weitere Konsolidierungen wären nur mit einer vom Stadtrat mitgetragenen Aufgabenkritik unter Einbeziehung der Vorschläge und Ideen der städtischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter möglich." Also geht vielleicht doch noch was? Ich meine: Überall geht noch was! Wenn im Bereich der Kultur weiter gespart werden soll, warum nicht auch in der Verwaltung. Beim Sparen gibt es doch keine geheiligten Kühe! Ich wette, dass es viele Augsburger Bürger gibt, die Hermann Weber (CSU) laut Beifall spenden würden, wenn er es schaffen würde, die Verwaltung weiter zu verschlanken. Davon spricht doch die CSU immer wieder! Und in der EU will sogar Edmund Stoiber, der frühere CSU-Ministerpräsident, mithelfen, die Verwaltung einzudämmen und so Kosten zu sparen. Einem so berühmten Vorbild - auch wenn man kaum mehr etwas von ihm hört - wird doch ein Stadt-Finanzreferent in der schwäbischen Provinz nicht nachstehen wollen!

Nee, nee, so einfach ist es nicht, Refugien der Unantastbarkeit zu schaffen! Sollen doch die Stadträte und die städtischen MitarbeiterInnen darüber nachdenken, wie die Verwaltung in Augsburg weiter verschlankt oder effizienter gemacht werden kann. Für viele Augsburger Firmen, die Personal abbauen und ihren verbliebenen Mitarbeitern ständig mehr Arbeit aufbürden ist das doch auch kein Problem! Da könnten die städtische Verwaltung und ein Finanzreferent vielleicht noch viel lernen!

Matthias Stöbener 26.03.2010, 08.24 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Politik | Tags: sparen, Hermann Weber, Verwaltung, Finanzen,

Inkonsistente Politik

Das Dilemma der CSU, FDP und SPD wird immer deutlicher: Es wird für sie immer schwieriger, eine in sich konsistente Politik zu machen. Beweis? Unsere Augsburger Abgeordneten Ruck (CSU), Gruß (FDP) und Paula (SPD) haben in einer namentlichen Abstimmung gegen einen Änderungsantrag der Grünen im Bundestag gestimmt, wonach der Bundesanteil an den Unterkunftskosten für ALG-II-Beziehende gesteigert werden sollte. Nun wird er nicht erhöht, was für Augsburg Mehrkosten von 2.576.000,- € in 2010 gegenüber 2009 bedeutet, wenn man den Grünen glaubt. Die hatten im Bundestag gefordert, die Unterkunftskosten in ihrer Höhe nach der tatsächlichen Entwicklung dieser Kosten zu berechnen. In ihrer Pressemeldung vom 24. März 2010 schreiben sie: »Wenn man die tatsächliche Entwicklung der Unterkunftskosten zugrunde lege, müsste der Bundesanteil nach einer Berechnung des Deutschen Landkreistages heute 35,9 Prozent statt der jetzt beschlossenen 23 Prozent betragen. Für Augsburg würde dies 5.934.000.- € Mehreinnahmen bedeuten.«

Mit ihrem Abstimmverhalten zeigen die Augsburger Bundestagsabgeordneten von CSU, FDP und SPD meiner Meinung nach, dass sie sich ihren Bundesparteien beugen und den Bund weiterhin zu Lasten der Kommunen Geld verteilen lassen. Selbst regierungstreuen Stadtoberhäuptern wie z. B. der CDU-Bürgermeisterin von Frankfurt reicht dieses Verschieben der Belastungen auf die Kommunen langsam. Eigentlich, das wissen angeblich viele Politiker, muss es zu einer umfassenden Reform der Finanzstrukturen zwischen Bund, Ländern und Kommunen kommen. Aber das wird wohl nicht gelingen. Die gleichen Abgeordneten, die in ihren Wahlkreisen und Kommunen alles Mögliche versprechen, stimmen im Bundestag anscheinend, wenn es drauf ankommt, gegen die Interessen ihrer Bürger vor Ort.

Und so wird wohl die Entwicklung zu Lasten von Städten wie Augsburg weitergehen: Der Bundesanteil an den Unterhaltsleistungen wurde, so schreiben die Grünen in ihrer Pressemitteilung, in den vergangenen Jahren wiederholt gesenkt, obwohl die Kosten der Gemeinden für diese Pflichtleistung kontinuierlich gestiegen sind. »Im Jahr 2007 betrug der Anteil noch 31,8 %. Die erneute Senkung des Bundesanteils auf 23 % hat zur Folge, dass die im Krisenjahr 2010 ansteigenden Unterkunftskosten für ALG II-Beziehende allein von den Kommunen getragen werden. Während der Bund seine Ausgaben auf 3,4 Mrd. Euro verringert, steigt allein im Jahr 2010 der kommunale Anteil von 10 auf 11 Mrd. Euro.«

Tja, wenn ich lokaler Politiker wäre, würde ich aus bestimmten Parteien schleunigst austreten und mich Gruppierungen anschließen, die auf allen politischen Ebenen für die Belange der Kommunen eintreten und sich nicht von bundespolitischen Entscheidungslinien irritieren lassen. Wie könnte ich denn meinen Wählern vor Ort noch in die Augen sehen, wenn ich mich im fernen Berlin gegen deren Interessen eingesetzt hätte? Man muss ja unseren OB Dr. Gribl nicht lieben, um Mitleid mit ihm zu haben. Wo soll er denn die von 2.576.000,- €, die Augsburg aufgrund bundespolitischer Entscheidungen seiner Parteifreunde an Mehrkosten entstehen, hernehmen? Das Stadtbad scheint er nicht verkaufen zu können. Vielleicht kann er das Theater auf die lange Bank schieben, bis es so marode ist, dass es von der Bauaufsicht geschlossen wird und er die Kosten auf diesem Weg los wird. Oder er verkauft das Augsburger Wasser an Coca-Cola, das Rathaus an die Otto-Gruppe, um mitten in der Stadt ein ECE-Center einzurichten, die Stadtwerke an Warren Buffet, alle öffentlichen Gebäude an die Augsburger PATRIZIA, von der er sie wieder zurückmietet Da ist finanzpolitische Kreativität gefragt. Ich könnte nicht mehr schlafen.

Matthias Stöbener 25.03.2010, 09.23 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Politik

KonzeptioniererIn & WerbetexterIn gesucht

Als Full-Service-Agentur mit festem Kundenstamm verfügt die media.d.sign über eine langjährige Erfahrung als Grafik- und Werbe-Dienstleister. Ein ausgeprägtes Service-Verständnis und kontinuierliches Wachstum prägen das inhabergeführte Unternehmen.

Für die Redaktion sucht die Agentur ab sofort:
eine/n Konzeptionierer/in & Werbetexter/in

Zu den  Aufgaben zählen:

* Konzeptionelle Beratung der Kunden
* Verfassen von Imagetexten und Präsentationen
* Inhaltliche Entwicklung von Werbekampagnen
* Erstellen und Redigieren von Pressemitteilungen

Voraussetzungen:

* Vielseitige redaktionelle Erfahrung
* Ein hohes Maß an Teamfähigkeit und Kreativität
* Know-how in den Bereichen PR und Werbung
* Ein geschultes Auge für moderne Designs

Sie lieben die Arbeit in einem jungen und dynamischen Team? Kreative Ideen zu entwickeln ist für Sie jeden Tag aufs Neue eine besondere Herausforderung? Dann freut sich auf Ihre aussagekräftige Bewerbung in schriftlicher oder elektronischer Form:

media.d.sign GmbH Werbeagentur
Sabine Hellmann
Otto-Hahn-Straße 2
86368 Gersthofen

E-Mail: hellmann(@)media-d-sign.de

Matthias Stöbener 23.03.2010, 08.50 | (1/1) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: Firmen | Tags: Stellenanzeige, Werbung, Konzept, Full-Service-Agentur,

Unter der Oberfläche von Frust

Jüngst will die Bertelsmann Stiftung herausgefunden haben, dass etwa 70 % der Deutschen ihr Vertrauen in Politik und Wirtschaft verloren haben. Fast schon jeder zweite Deutsche lehnt die repräsentative Demokratie und die Marktwirtschaft ab. Aus meiner Erfahrung kann ich sagen: Ja, es gibt immer weniger Menschen in meinem Umfeld, die mit den herrschenden Bedingungen und Verhältnissen zufrieden sind. Einen ganz großen Knacks im Vertrauen ins System hat die Finanzkrise und das Handeln der Politiker gebracht. Dazu kommt die Globalisierung, die deutlich macht, dass wir einen Wandel unseres bisherigen Systems brauchen.

Aber was wollen die Menschen? Die Bertelsmann Stiftung sagt: Die Menschen wollen mehr Partizipation. Die Bürger wollen mehr in politische Prozesse eingebunden werden. Augsburg zeigt, dass das stimmt. Ich sage nur Stadtbad. Die Leute haben es satt, dass in irgendwelchen Hinterzimmern von Parteien Entscheidungen getroffen werden, die völlig an ihren Wünschen vorbei gehen. Und langsam kommen die Menschen in Fahrt! Sie setzen sich dafür ein, dass an den richtigen Stellen gespart wird. Sie setzen sich dafür ein, dass ihnen nicht das, was ihnen wichtig ist, verloren geht. Noch vor ein paar Jahren wurde der Politiküberdruss beklagt, wurde beklagt, dass die Bürger zu bequem seien. Und jetzt nehmen immer mehr Bürger die Politik selbst in die Hand! 

Vor allem wollen sich die Bürger nicht mehr von den Entscheidungsträgern in Wirtschaft und Politik bevormunden lassen, sagt die Studie. Auch dafür ist meiner Meinung nach Augsburg ein gutes Beispiel. Immer, wenn in letzter Zeit in Augsburg die Stadtregierung gegen ihre Bürger nicht durchkommt, heißt es, man habe Kommunikationsprobleme, es sei alles nicht so gemeint gewesen. Nur notdürftig wird damit kaschiert, dass es schwerer für die Politiker wird, gegen die Bürger zu regieren. Gier, Lobbyismus und Abkoppelung von der Wirklichkeit sind nach der Studie die Gründe, warum das Volk aufsteht und mobil macht. Unter der Oberfläche von Resignation und Frust entwickele sich ein enormes Potential von Menschen, die abseits der Parteien, Medien und etablierten Institutionen neue soziale Bewegungen tragen. Dieses Potenzial für eine neue Partizipationsbewegung sei mindestens so groß wie die Ökobewegung. Da kann ich aus meinen Erfahrungen und meinem Umfeld nur zustimmen.

Matthias Stöbener 21.03.2010, 10.27 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: | Tags: Partizipation, Bertelsmann Stiftung, Unzufriedenheit,

Traurig, traurig

Augsburg verliert unter Kulturschaffenden immer mehr an Attraktivität. Nicht nur, dass viele Künstler die Augsburger Kulturpolitik kritisieren, jetzt wollen anscheinend die ersten Künstler Augsburg ganz hinter sich lassen. Künstler, auf die Augsburg nicht verzichten kann! Künstler, ohne die Augsburg nicht Augsburg wäre. Künstler, die für Aufregung in der ansonsten noch im 18. Jahrhundert lebenden Möchtegern-Kulturhauptstadt Europas sorgen.

Waldsassen (bairisch: Woldsassn), die Stadt im Oberpfälzer Landkreis Tirschenreuth z. B., erscheint dem bekannten Augsburger Krimi-Schriftsteller und Dracula-Forscher Arno Löb sehr attraktiv. Im Moment befindet er sich auf Reisen durch die bayerischen Gefilde, um sich - wie er sagt - einen "kulturell attraktiveren" Lebenskreis zu suchen. Über das kulturelle Zentrum des Oberpfälzer Stiftslands gerät Löb geradezu ins Schwärmen. Die Menschen seien viel freundlicher und kulturell aufgeschlossener als die Augsburger (was ja keine Kunst ist) .

In höchsten Tönen lobt er, was in Waldsassen für die Musik getan wird: In der Basilika konzertierten bedeutende Orchester (beispielsweise die "Bamberger Symphoniker") und Dirigenten (zum Beispiel Leonard Bernstein,  Colin Davis). Darüber hinaus finden, von der Stiftung Kultur- und Begegnungszentrum Abtei Waldsassen veranstaltet, jährlich Musikseminare statt, von denen die Internationale Orgelakademie und die Internationale Singwoche im Sommer die bedeutendsten sind. Und das alles bei nur knapp mehr als 7.000 Einwohnern. Da könne Augsburg einpacken, meint Arno Löb. Was aber bei der jetzigen Stadtregierung, die ihn geradezu ins Asyl treibe, kein Wunder sei. Die Kultur habe die Augsburger Politik nur noch im Fokus, wenn es ums Sparen ginge.

Obwohl in Waldsassen auch die CSU regiert, geschieht dort Revolutionäres. "Emailgeschirr - Küchenrevolution in der Gründerzeit" - unter diesem Motto steht die diesjährige Sonderausstellung des Stiftlandmuseums Waldsassen. In Augsburg habe er noch nicht einmal eine Küchenrevolution erlebt, klagt der meist schwarz bekleidete Dichter und Denker Löb. Geschweige denn sonst etwas Aufregendes.

Ob es Löb ernst ist mit dem Weggang von Augsburg? Schwer zu sagen. Aber in seinem Krimitagebuch schreibt er: "Beim Erkundungsgang in Waldsassen entdeckte ich eine Sensation: Hier gibts den besten Lebkuchen der Welt! Juhu!" Wie ich Arno Löb kenne, ist das ein schlagendes Argument, Augsburg den Rücken zu kehren. Denn in Augsburg gibt es bald vom Rathaus bis zum Dom und vom Moritzplatz bis zur Ulrichskirche nur noch Selbstbedienungs-Backwerk-Filialen.

Matthias Stöbener 20.03.2010, 13.52 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Kultur | Tags: Kulturpolitik, Waldsassen, Arno Löb,

Dr. Sebastian Seidel zum Thema Kulturpolitik

Der Theaterleiter, Regisseur und Autor Dr. Sebastian Seidel ist einer der wichtigsten Kulturbotschafter Augsburgs. Seine Stücke werden im gesamten deutschsprachigen Raum aufgeführt und seine Theaterarbeit wird überregional als vorbildlich wahrgenommen. In dem folgenden Interview sagt er seine Meinung zu aktuellen Fragen der Kulturpolitik.

Matthias Stöbener: Herr Dr. Seidel, sagen Sie uns, wie man Theatergründer wird und was es braucht, ein Theater über so viele Jahre erfolgreich zu betreiben, wie Sie das tun?

Dr. Sebastian Seidel: Es gibt kein Patentrezept, wie man ein Theatergründer wird. Es sind viele Dinge zusammengekommen (Ideen, Menschen, Finanzierung) und die haben sich über die Jahre erstaunlich gut entwickelt. Man braucht einen sehr langen Atem, ein Gespür für gesellschaftliche Entwicklungen und viel Oppositionsgeist.

Matthias Stöbener: Warum haben Sie sich Augsburg als Standort Ihres Theaters gewählt, wäre nicht München der bessere Platz gewesen?

Dr. Sebastian Seidel: Als ich in Augsburg Studententheater gemacht habe, habe ich mich immer gewundert, warum es in Augsburg kein eigenständiges, freies, professionelles Theater gibt wie in jeder anderen größeren Stadt. Es musste also noch eins gegründet werden!

Matthias Stöbener: Die Stadt Augsburg muss sparen. Es scheint, dass sie das an der Kultur und öffentlichen Einrichtungen für Bürger machen will. Glauben Sie, das Theater Augsburg bekommt die nötigen 100 Mio. € zur Sanierung. Werden Sie und Ihr Theater weiter von der Stadt unterstützt werden?

Dr. Sebastian Seidel: Das Grundproblem ist die mangelnde Finanzierung der Kommunen und ihre Abhängigkeit von der Gewerbesteuer. Alle Stadtbewohner müssen zusammen mit ihren Lokalpolitikern einen Aufstand machen und sich gegenüber der Bundespolitik für eine bessere Finanzierung der Städte einsetzen. Sonst werden in den kommenden Jahren viele öffentliche Einrichtungen geschlossen werden müssen. Wollen wir das hinnehmen?

Zur Sanierung des Theaters gibt es überhaupt keine Alternative! Und zur Förderung des Sensemble Theaters: Wir zeigen, wie man mit einer kleinen Grundförderung die Eigenfinanzierung auf über 70% steigern und damit 10 Künstler finanzieren kann. Wir sind ein Zukunftsmodell, das auch in Zukunft gefördert werden wird.

Matthias Stöbener: Ich glaube, die Demokratie wird nicht am Hindukusch, sondern hier in unserer Stadt verteidigt, indem die Stadt Geld für öffentliche Leistungen an Bürger ausgibt, wie Schwimmbäder, Kultureinrichtungen, Bibliotheken etc. Können Sie sich dieser Meinung anschließen?

Dr. Sebastian Seidel: Ja, vollkommen. Herr Naumann hat dazu gerade alles Wesentliche gesagt: "Freiheit wird im Theater verteidigt."

Der frühere Kulturstaatsminister Michael Naumann (SPD) hat vor weiteren Kürzungen der Kulturausgaben gewarnt. Die Politik müsse auch das Glück und die Freiheit der Menschen sichern, sagte Naumann: "Politiker sehen sich in diesem Land als Mäzene, die sich herabneigen und der Kultur etwas spenden aus dem Steuersäckel niemals würden wir das vom Verteidigungsminister sagen", meinte der 68-Jährige. "Deutschlands Freiheit wird in Wahrheit nicht am Hindukusch verteidigt, sondern in den Theatern, Konzertsälen, Opernhäusern, Museen und Buchläden und natürlich in den Schulen."

Drohende Kürzungen in manchen Kulturetats der Länder und Kommunen stellten die Grundsatzfrage in einer Gesellschaft: "Für welchen Zweck macht man eigentlich Politik? Wenn Politik ausgerechnet an diesem sowieso schon schwachen Feld kürzt, kürzt sie an ihrem eigenen inneren Sinn."

Matthias Stöbener: Viele Augsburger Kulturschaffende werfen der neuen Stadtregierung eine verfehlte Kulturpolitik vor. Was könnte man ihrer Meinung nach besser machen?

Dr. Sebastian Seidel: Kulturpolitik ist immer sehr umstritten. Auch in der Vergangenheit. Augenblicklich fehlt die längerfristige Vision, die Ziele für die nächsten 20 Jahre und kommende Generationen entwirft und gegen drohende Kürzungen bedingungslos verteidigt. Die Künstler brauchen eine noch viel stärkere Lobby in allen Parteien.

Matthias Stöbener: Zum Schluss zu Ihrer Arbeit und zu Ihrem Theater zurück. Welches besondere Theater-Highlight hat uns das S`ensemble in den nächsten Monaten zu bieten und um was geht es dabei?

Dr. Sebastian Seidel: Im Mai wird das Sensemble Theater in der Kulturfabrik 10 Jahre alt und wird vom 27. Mai bis zum 27. Juni ein Jubiläumsprogramm mit vielen Highlights präsentieren, u.a. ein kleines open-air-Theaterfestival im martini-Park. Und im Juli folgt dann das Sommertheater Jakoberwallturm mit der Uraufführung meines neuen Stückes »HELDENSPEKTAKEL«.

Matthias Stöbener: Vielen Dank, Herr Dr. Seidel, für dieses Interview!

Weitere Informationen zu Dr. Sebastian Seidel

Matthias Stöbener 15.03.2010, 09.20 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Kultur | Tags: Kulturpolitik, S`ensemble, Dr. Sebastian Seidel,

Missbrauch von Kindern in der katholischen Kirche

Natürlich mache ich mir als katholischer Theologe viele Gedanken über die Missbrauchsfälle in der Kirche, die jetzt überall in Deutschland geortet werden anscheinend auch in der Diözese Augsburg. Um im Bild zu sprechen: Es ist, also ob Dreckwasser durch die Kanalisation aus dem Spülbecken hochdrückt, weil die Kanalisation den Dreck nicht mehr aufnehmen kann.

Woher kommt der ganze Dreck? Meiner Meinung nach wird in der Ausbildung von katholischen Theologen über manches menschliche Defizit hinweggesehen, weil der Priestermangel in Europa die Spirituale und Vorgesetzte gnädig mit Kandidaten für den Priesterberuf stimmt, die eigentlich keine Berufung haben. Zu oft wird meiner Meinung nach in der katholischen Priesterausbildung der alte scholastische Grundsatz »Die Berufung setzt die Natur voraus« nicht beachtet. Es wird zu wenig auf die menschliche Natur der Kandidaten gesehen. Ich spreche aus Erfahrung, stand ich doch selbst kurz vor der Priesterweihe, ohne eine Berufung dazu gehabt zu haben. Und doch hätten mich meine Oberen zum Priester geweiht, wenn ich nicht selbst ein Jahr vor dem Ereignis dahinter gekommen wäre, dass ich den Zölibat nicht leben kann.

Ob der Zölibatszwang für Priester heute noch angemessen ist, kann ich nicht beurteilen. Ob der Zölibat Kindesmissbrauch fördert, wage ich auch nicht zu entscheiden, dazu fehlen mir die Vergleichszahlen zu Familien. Meiner Meinung nach sollte die katholisches Kirche heute aber ernsthaft darüber nachdenken, den orthodoxen Weg zu gehen, also sowohl verheiratete Priester wie zölibatäre Mönche zu fördern. Es gibt meiner Meinung nach keinen theologischen Grund, warum ein Priester unverheiratet leben muss. Und ich glaube nicht, dass ein orthodoxer Priester weniger für den Glauben leisten kann, weil er verheiratet ist. Dies zu behaupten, wäre schon recht arrogant.

Sollte die katholische Kirche dahin zu kommen, das im Mittelalter eingeführte Zölibat aufzuheben, wären natürlich nicht alle Probleme gelöst. Dass jemand versagt, dass die Kirche eine Gemeinschaft von Sündern ist, steht außer Frage. Das Schlimme am Verhalten der katholischen Kirche bisher ist das Verdrängen des Versagens ihrer Mitglieder oder Repräsentanten. Da muss sich gewaltig etwas ändern. Die Gesellschaft kann weder in islamischen Gemeinschaften noch in der katholischen Kirche rechtsfreie Räume dulden, in denen diese Gruppen glauben ihre Probleme selbst lösen zu können.

Matthias Stöbener 13.03.2010, 12.23 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Religion | Tags: Missbrauch, Kinder, Katholische Kirche, Zölibat,

Weltfrauentag

Am Montag war Weltfrauentag. Schon Anfang März wies Martina Wild, die frauenpolitische Sprecherin der GRÜNEN Stadtratsfraktion darauf hin, dass in Augsburg heute weniger Frauen in der Verwaltung Führungspositionen einnehmen als früher. Eine Folge der konservativen Regierungsübernahme? Gilt wieder: Frauen zurück an den Herd?

Frau Wild zitiert eine Datenerhebung der Gleichstellungsstelle für die Stadtverwaltung Augsburg. Eine Frau als Referentin? Fehlanzeige! Eine Bürgermeisterin? Nööö, brauchen wir in Augsburg nicht. Augsburg hat 7 Referate, 2 Direktorien, 35 Ämter und 12 städtische Schulen, aber nur zwei Amtsleiterinnen, eine Intendantin, eine Fachbereichsleiterin und drei Rektorinnen. Und das, obwohl der Stadtrat im Jahr 2007 beschlossen hat, dass die Gleichstellung von Frauen und Männern in der Stadtpolitik Augsburg und in der Stadtverwaltung ein wichtiges Entscheidungskriterium sein soll. Aber 2007: War das nicht vor der konservativen Rolle rückwärts in Augsburg?

Jetzt sage keiner: Frauen wollen doch gar keine Karriere machen. Frauen sind zufrieden, wenn sie nicht so viel verdienen wie Männer, auch wenn sie die gleiche Arbeit machen. Frauen wollen doch lieber für die Familie da sein, als in der Gesellschaft eine Rolle zu spielen wie Männer. In Wirklichkeit haben es Frauen immer noch viel schwerer, Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen als Männer. In Wirklichkeit bleibt die Sorge für Familie und Kinder immer noch zum viel größeren Teil an ihnen hängen. Beides zu verbinden, dazu finden sich immer noch viel zu wenig Hilfen. Und die Friedensstadt Augsburg, die sich rühmt, den Ausgleich von Konfessionen geschafft zu haben, ist ein schlechtes Vorbild, was den Ausgleich von Mann und Frau im Beruf und öffentlichen Leben betrifft. Ich vermute mal, das bleibt so lange, wie Frauen brav konservative Männerköpfe wählen. 

Matthias Stöbener 11.03.2010, 09.31 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Soziales | Tags: Weltfrauentag, Geschlechtergerechtigkeit, Patriarchat,

Klima schützen kann jeder

Die Überschrift liest sich banal. Und doch steckt mehr dahinter, als man zunächst denkt. Der Satz betrifft jeden von uns. Vielleicht sollte man ihn so lesen: Klima schützen kann jeder, muss aber auch jeder, wenn sich im Großen etwas ändern soll. Wir "kleinen Leute" können mehr, als uns bewusst ist. Die Verantwortung für unsere Lebensgrundlagen dürfen wir nicht länger an Politiker verschieben. Wie sich immer deutlicher zeigt, sind viel zu viele dieser so genannten "Bürgervertreter" Dilettanten oder mehr an ihrem eigenen Fortkommen interessiert als an der Lösung von Problemen, die uns alle angehen.

Und deshalb müssen wir bei uns selbst anfangen. Wir können nicht nur von anderen fordern, dass sie etwas tun müssten. Wir selbst sind gefordert, wenn es um den Umweltschutz geht. Ein Anfang könnte sein, die Ausstellung der Verbraucherzentrale Bayern zu besuchen. Sie hat das Thema "Klima schützen kann jeder" und wird am 15. März 2010 um 19 Uhr in der Neuen Stadtbücherei eröffnet. Gezeigt wird die Ausstellung bis 10. April 2010.

In der Ausstellung soll deutlich werden, wie jeder einzelne von uns das Klima in Augsburg schützen kann. Da sollen ganz konkrete Fragen beantwortet werden: Etwa aus welchem Holz die neuen Gartenmöbel hergestellt sein sollten oder auf was man beim Kauf von Haushaltsgeräten achten sollte, damit sie möglichst Ressourcen schonend sind. Ich finde das Thema notwendig und spannend. Und ich habe in den nächsten Tagen wieder einen Grund, die Neue Stadtbücherei zu besuchen.

Matthias Stöbener 10.03.2010, 09.37 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Ökologie | Tags: Klimaschutz, Prima Klima Augsburg,

Augsburger Bloggerstammtisch

Endlich haben auch wir Augsburger Blogger einen Stammtisch. Wer daran teilnehmen will, kann die aktuellen Termine erfragen, indem er eine Mail an mitspieltheater(at)googlemail.com schreibt.

Matthias Stöbener 09.03.2010, 08.07 | (2/0) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: Veranstaltungen | Tags: Blogger, Augsburg, Stammtisch,

Augsburger Industriekultur auf der ITB

Augsburg scheint seine Industriekultur langsam zu entdecken und auch touristisch zu verwerten. Bravo! Jedenfalls wird auf der ITB in Berlin diese Positionierung Augsburgs vorgestellt. Jetzt, da das "tim" auf das deutsche "Manchester" verweist und damit die Bedeutung Augsburgs im Zeitalter der Industrialisierung beleuchtet wird, scheint die "Werkbank Bayerns" endlich auch stolz auf seine "Perlen der Industriekultur" zu werden.

Was gibt es in Augsburg nicht alles zu sehen: vom Glaspalast über den Bahnpark, die Wasserkraftwerke am Lech oder das Gaswerk in Oberhausen! Aber auch Gebäude der Zeit, die nicht Fabriken waren, gehören erwähnt, wie z. B. das Kurhaustheater, die Synagoge oder die Herz-Jesu-Kirche, um neben Fabrikantenvillen und Arbeitersiedlungen die bedeutendsten zu erwähnen. Schön, dass man auch auf die Augsburger Ingenieure und Unternehmer wie Diesel, von Buz oder Riedinger aufmerksam machen will. Die Regio gibt dazu eine 24-seitige Broschüre heraus, die es Gästen und Augsburgern leichter machen will, die Industriekultur dieser alten Stadt zu entdecken. Darauf freue ich mich!

Matthias Stöbener 07.03.2010, 08.26 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Kultur | Tags: Industriekultur, ITB, ,

Ich bin empört

Wenn es stimmt, dass Bayerns Innenminister Joachim Herrmann von der allseits bekannten und geschätzten CSU etwa 80 Landtagsjournalisten am 16. März 2010 zu einem wissenschaftlichen Versuch mit Alkohol einladen will, dann bin ich empört wie schon lange nicht mehr. 

Angeblich soll bei dem "Trinkversuch" gezeigt werden, dass schon wenig Alkohol Auswirkungen auf die Reaktionsfähigkeit und Fahrtüchtigkeit von Autofahrern haben kann. Eingeladen sei auch ein Rechtsmediziner und ein Richter, die dann Vorträge zum Thema halten. Nach dem "Trinkversuch" soll es dann noch ein gemeinsames Abendessen von Minister und Journalisten geben.

Müssen wir wirklich Steuergelder für das Essen und Trinken ausgeben, um zu zeigen, dass Alkohol gefährlich ist? Das weiß doch jeder. Und wissenschaftliche Untersuchungen dazu gibt es mehr als Haare auf meinem Kopf wachsen. Ist es die Aufgabe des bayerischen Innenministeriums, wissenschaftliche Untersuchungen zu diesem Thema durchzuführen? Oder dient die ganze Veranstaltung vielleicht noch einem anderen Ziel? Vielleicht dem Ziel, die Landtagsjournalisten zu einem guten Essen einzuladen, mit ihnen ins Gespräch zu kommen, sie für die eigene Politik gewogen zu machen?

Ich habe keine Lust mehr, solche Veranstaltungen mit meinen Steuergeldern zu finanzieren, ich möchte nicht mehr zusehen, wie solche Politiker in horrenden Summen Geld leihen, unsere Kinder auf ewige Zeiten verschulden und dem Volk etwas Gutes zu tun glauben. Aber wie werde ich solche Politiker los? Soll ich auswandern? Aber wohin? Es ist ein Jammer in diesem Land!

Matthias Stöbener 06.03.2010, 11.37 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Veranstaltungen | Tags: Trinkgelage, CSU, Alkohol,

Balkanisierung Deutschlands

Deutschland wird immer mehr zum Balkanstaat, in dem nichts mehr klappt, Chaos herrscht und nur noch bis zum nächsten Tag gedacht wird. Das dachte ich vorgestern, als ich nach Monaten mal wieder mit der BAHN nach München fuhr. Schon in Augsburg hatte der ICE etwa eine Viertelstunde Verspätung, dann war es ein so genannter »Kurzzug«, dem etliche Wagen fehlten, unter anderem jener, für den ich eine Sitzplatzreservierung und dafür auch gezahlt hatte. Weil ich mich beim Einsteigen rücksichtslos nach vorne drängte und andere aus dem Feld schlug, bekam ich noch einen der raren Sitzplätze im ICE nach München. Viele Pendler mussten im Gang oder beim Ausstieg stehen. Das scheint für viele Pendler nach München ein Normalzustand zu sein, denn auf der Rückreise unterhielt ich mich mit einem älteren Mann und einer älteren Frau, die täglich nach München fahren. Ich regte mich über die BAHN gehörig auf, während sie nur müde lächelten. »Wir haben uns schon so an diese Zustände gewöhnt, dass wir schon zufrieden sind, wenn wir heil heimkommen und der Zug nicht mehr als eine Viertelstunde Verspätung hat«, kommentierte der Mann. »Wie oft standen wir schon zwei oder drei Stunden auf der Strecke. Das Wort Oberleitungsschaden kann ich nicht mehr hören.«

Wahrscheinlich werden die Zustände auch nicht besser, denn gestern las ich die Pressemitteilung von Claudia Roth, in der sie schreibt, dass zahlreiche Schienenausbauprojekte in Bayern ohne Finanzierung seien. Wörtlich schreibt sie:

Bund und Deutsche Bahn AG (DB AG) haben nun endlich die Projektlisten offen gelegt. Dieser Schritt zur Herstellung von mehr Transparenz war überfällig. Dass bisher nicht einmal der Bundestag, der die Gelder zur Finanzierung der Bahnprojekte bereitstellt, informiert wurde, war ein skandalöser Zustand. Auf massives Drängen des Verkehrsausschusses des Bundestages hat die neue Leitung des Verkehrsministeriums jetzt die Listen herausgebracht. Realistischer Weise werden nur 1,4 bis 1,2 Mrd. Euro jährlich zur Verfügung stehen. Das ist ein Offenbarungseid. Die Zahlen zeigen:

* die Schienenprojekte sind hoffnungslos unterfinanziert,
* die Mehrzahl der Projekte des Vordringlichen Bedarfs ist noch nicht finanziert,
* es fehlen über 20 Mrd. Euro, um die geplanten Vorhaben bis 2020 umsetzen zu können.

Allein in Bayern fehlen für sinnvolle und dringliche Ausbaumaßnahmen mehrere Milliarden Euro. Die Liste der (noch) nicht finanzierten Projekte in Bayern ist besonders lang. Betroffen sind:

* VDE 8.1 Nürnberg-Erfurt (Anteile ABS Nürnberg-Erfurt)
* ABS Nürnberg Marktredwitz Reichenbach/Grenze D/CZ (Elektrifizierung Reichenbach-Hof (KP) und weitere)
* ABS/NBS Hanau Würzburg/Fulda
* ABS/NBS Stuttgart Ulm Augsburg (Ausbau Ulm-Augsburg auf 200 km/h)
* ABS Neu-Ulm Augsburg (3. Gleis Neuoffingen Neu Ulm)

Für die Strecke ABS München Mühldorf Freilassing (TEN Förderung) gibt es eine Finanzierung der Planungskosten, aber noch keine Finanzierung der Baukosten. Hier zeigt sich, wie fatal die Priorisierung von »Stuttgart 21« und die der Neubaustrecke Wendlingen-Ulm sich auf die übrigen Bauprojekte auswirkt. Allein diese beiden Projekte werden in den nächsten Jahren 6 Mrd. Euro (plus XX) verschlingen. Viele dringend nötige Aus- und Neubauprojekte stehen dagegen in den Sternen. Sie werden faktisch ins dritte und vierte Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts verschoben. Eine solche Verkehrspolitik schickt Millionen von Bahnkunden auf das Abstellgleis.

Liebe Frau Roth! Ich kann Ihnen da nur zustimmen. Und auch mein Sohn, der in Würzburg studiert, würde Ihnen zustimmen. Als letztens sein Auto streikte, meinte ich, warum er nicht mal mit der BAHN nach Hause fährt. »Bist du verrückt, Vater? Da könnte ich ja auch gleich zu Fuß nach Augsburg laufen.«

Matthias Stöbener 05.03.2010, 08.45 | (2/0) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: Ökologie | Tags: Bundesbahn, Pendler, München,

Schauspielerisches Talent gesucht

Anlässlich der Neueröffnung des Fugger- und Welser-Erlebnismuseums im Herbst 2011 sucht die Regio Augsburg Tourismus GmbH einen sprachgewandten Bartholomäus-Welser-Darsteller, der dem Schauspieler Heinz Schulan in seiner Rolle als Jakob Fugger zur Seite steht.

Während in der Fuggerei die soziale Thematik der Renaissance aufgegriffen wird, soll im neuen Museum im Wieselhaus im Domviertel die Wirtschaftsgeschichte der Frühen Neuzeit aufbereitet werden. Dabei spielt auch Bartholomäus Welser eine große Rolle, dessen Bedeutung sich bei Weitem nicht auf Augsburg beschränkt. Unter der Führung des berühmten Patriziers erreichte die Handelsfamilie den Höhepunkt ihres Reichtums, finanzierte die Wahl Karls V. zum Kaiser mit und beteiligte sich an der Kolonisation Amerikas. Bartholomäus Welser war ein kluger und kühler Kopf, der seine Absichten zielstrebig durchzusetzen wusste.

Die Regio Augsburg Tourismus GmbH sucht nun einen Darsteller, der diese selbstbewusste und dynamische Ausstrahlung des Welsers auch zu verkörpern weiß. Wenn Sie die notwendigen schauspielerischen Fähigkeiten und die passende Erscheinung mitbringen (etwa zwischen 40 und 45 Jahre alt, ab 175 cm groß, am besten mit Vollbart), freut sich die Regio über eine E-Mail an regio3(@)regio-augsburg.de.

So ist in der PM der Regio zu der Schauspielersuche zu lesen. Diese Lobesworte zu den großen Augsburger Welser sollten noch ergänzt werden, damit der gesuchte Darsteller den Welser auch wirklich realitätsnah spielen kann: In der Augsburger Fußgängerzone, genauer: in der Annastraße erinnert eine Gedenktafel an den "Kolonisator" Bartholomäus Welser, der dort gewohnt haben soll. Tatsächlich hatten die Welser, eine angesehene Augsburger Patrizier- und Handelsfamilie, im Jahr 1526 als Gegenleistung für die Kredite an Kaiser Karl V. die Provinz Venezuela zur Ausbeutung überschrieben erhalten. Über die Kolonisation im Auftrag der Welser berichtet der Mönch Bartholome de las Casas:

"Sie kamen mit etwas mehr als dreihundert Mann in dies Land und fanden an den Bewohnern desselben eben so sanfte, ja noch weit sanftere Lämmer, als alle anderen Indianer dieser Gegenden waren ... Ich denke aber, sie wüteten weit grausamer unter ihnen als alle bereits erwähnten Barbaren; ja noch viehischer und rasender als die blutigen Tiger und wütigsten Wölfe und Löwen. Vor Geiz und Habsucht handelten sie weit toller und verblendeter als alle ihre Vorgänger, entsannen noch abscheulichere Mittel und Wege, Gold und Silber zu erpressen, setzten alle Furcht vor Gott und dem Könige und alle Scham vor Menschen hintenan; und da sie so große Freiheiten genossen, und die Jurisdiktion des ganzen Landes in Händen hatten, so vergaßen sie beinahe, dass sie Sterbliche waren."

Die Statthalter der Welser fanden in Venezuela aber nur wenig Gold, vielmehr interessierten sie sich für den Sklavenhandel, der hohe Gewinne abwarf. 1528 erwarben die Welser für 20.000 Dukaten ein Monopol für den Sklavenhandel. Die Kolonisation Venezuelas endete für die Welser in einem Fiasko: Bartholomäus Welser wurde auf dem letzten erfolglosen Goldraubzug von einem Konkurrenten hinterrücks erschlagen. Im Jahr 1556 wurde den Welsern "ihre" Kolonie aberkannt. 1614, ein halbes Jahr später, brach das Welsersche Handelsimperium in der Folge des spanischen Staatsbankrottes endgültig zusammen.

Im "Kolumbusjahr" 1992 ließen die Vereine Werkstatt Solidarische Welt e. V. (damals noch Partnerschaft Dritte Welt) und die Geschichtswerkstatt e. V. eine indianische Basisinitiative aus Venezuela und eine Reihe anderer Organisationen im Augsburger Stadtrat einen Antrag stellen, der die Anbringung einer weiteren Gedenktafel am Welserhaus zum Ziel hatte, um an die indianischen Opfer der europäischen Eroberer zu erinnern. Gutachter wurden bemüht, Expertisen geschrieben, der Antrag zwischen verschiedenen Referaten hin- und hergeschoben. Es stellte sich heraus, dass die bestehende Gedenktafeln dort zu Unrecht hängt, weil Bartholomäus Welser dort nie gewohnt hat. Es wurde beschlossen, die heutige Gedenktafeln vom Haus zu entfernen, was aber bis heute nicht geschehen ist. Man braucht nur vor dem Haus Annastraße 25 stehen zu bleiben und die Lobhudelei auf den Menschenschinder, Frühkapitalisten und hoffentlich in der Hölle bratenden Welser zu lesen.

Matthias Stöbener 03.03.2010, 08.46 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Kultur | Tags: Welser, Welserhaus, Darsteller Bartholomäus Welser,

Bürgerbegehren Stadtbad

Wer noch beim Bürgerbegehren für die Erhaltung des denkmalgeschützten Augsburger Alten Stadtbades in kommunaler Hand unterschreiben will, kann das an folgenden Stellen tun:

* Lotto/Tabak-Laden, Jakoberstraße 12, 86152 Augsburg (Mo-Sa)
* Das Grüne Büro, Maximilianstraße 17, 86150 Augsburg (Mo-Do)
* multicopy am Dom, Frauentorstraße 4, 86152 Augsburg (Mo-Do)
* Kokos Vitaminbar, Moritzplatz (Schranne) (Mo-Sa)

Außerdem wir es immer samstags den Infostand vor dem Stadtbad geben, wo man auch unterschreiben kann. Liebhaber Augsburger Kultur- und Sportstätten werden die nächsten Tage zur Unterschrift nutzen.

Die CSU und die anderen bürgerlichen Parteien, die Geld für Banken und Semmeltasten locker machen, werden sicher auch kein Problem haben, ein bisschen Geld für diejenigen zu erübrigen, die sich keinen eigenen Swimmingpool mit Wellnessbereich oder einen Urlaub in einem karibischen Resort mit fünf oder sechs Sternen leisten können. Und wenn nicht, müssen wir Bürgerinnen und Bürger dafür sorgen, dass und die gesponserten Banken und entlasteten Spitzenverdiener wieder so viele Brosamen vom Tisch fallen lassen, dass es für ein städtisches Badevergnügen reicht, das auch für ärmere Schichten offen steht.

Es kann ja nicht angehen, dass ein städtisches Theater erhalten bleibt, auf das die Stadt etwa 70 Euro pro Karte drauflegt, ein städtisches Hallenbad, das mit einem städtischen Zuschuss von etwa 13 Euro pro Karte auskommt, aber geschlossen wird, nur weil die Honoratioren dieser Stadt lieber mit ihresgleichen im Theater und mit funkelnder Garderobe gesehen werden wollen als mit Hüftspeck und schwabbelnder Orangenhaut im Volksbad für Hinz und Kunz.

Matthias Stöbener 02.03.2010, 08.41 | (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: Soziales | Tags: Stadtbad, Bürgerbegehren, Theater, CSU,

Verbot von Firmenspenden an Parteien

Wir haben es in den letzten Wochen erlebt, wie eng Firmen und Politik verflochten sind. Wenn man genug Taschengeld hat, um es den regierenden Parteien in den Rachen zu werfen, darf man sich mit hochrangigen deutschen Politikern treffen. Manche meinen, damit sei Deutschland zur Bananenrepublik verkommen. Demokratisch jedenfalls sei das nicht mehr, wenn Einfluss in der Politik davon abhängt, wie viel man einer regierenden Partei spenden kann. 

Das ist ein Thema, das auch uns Augsburger angeht. Denn was auf Bundes- und Landesebene möglich ist, warum soll es nicht auch in Augsburg möglich sein, also auf der kommunalen Ebene? Der Staat kann auf allen Ebenen der Politik zur Beute der Parteien werden. Um das zu verhindern hat die unabhängige Bürgerinitiative "Mehr Demokratie!" einen Aufruf an Bundestagspräsident Lammert gestartet, der das Ziel hat, Firmenspenden an Parteien zu verbieten. Bis jetzt haben schon mehr als 2.600 Menschen unterschrieben. Aber das reicht natürlich noch lange nicht, um Druck auf die Politik auszuüben. Deshalb: Verbreitet den Aufruf, nehmt ihn in euer Blog, schickt die Adresse an andere BürgerInnen weiter, denen Hotelierssteuern und andere Bevorzugungen von Interessengruppen stinken!

Zum Aufruf "Verbot von Firmenspenden"

Matthias Stöbener 01.03.2010, 09.24 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Politik | Tags: Firmenspenden, Initiative, Verbot,

RSS 2.0 RDF 1.0 Atom 0.3
Blog Augsburg - Augsburg und Augsburger im Blog
Suche
Es wird in allen
Einträgen gesucht.
Letzte Kommentare:
Hermann Schwiebert:
Also, ich würde schon Geld locker machen, sin
...mehr

Erich Zimmermann / Tel 08271 5735:
von mitspieltheater@googlemail.comKOSTENLOS
...mehr

Zelina:
gibt es auch eine ungefähre hausnummer an mon
...mehr

Martin:
Tatsächlich, sehr unpassende Äußerung bzgl. d
...mehr

Erich Zimmermann:
Wir sammeln konstruktiv Geld gegen die Pleite
...mehr